Einladung zum Träumen

Bevor Du den ersten Schritt gemacht hast und wir zusammenkamen, träumte ich schon davon, jeden Morgen neben dir aufzuwachen. Kurz vor unserem Einjährigen begann ich über meinen Traum zu sprechen, mit dir eine Familie zu gründen, um festzustellen, dass Du Gottseidank den gleichen Traum hast. Nachdem wir die ersten Krisen gemeinsam überstanden hatten – Deine kurze Arbeitslosigkeit und meine längere Depression, waren eines Morgens zwei fette Striche auf dem Schwangerschaftstest sichtbar und ich wusste, dass unser Traum nun in Erfüllung gehen und unser Kind in einem glücklichen Zuhause aufwachsen wird.

Nach der Geburt hatte ich ziemlich schnell schon wieder Lust auf Dich. Und konnte es nicht erwarten, dass der Kleine schläft, damit wir übereinander herfallen können. Die Geschichten der anderen, schon in der Schwangerschaft keine Lust mehr aufeinander gehabt zu haben, klangen fremd für uns, wie von einem anderen Stern. Gott waren wir froh, dass das nicht unser Leben war, sondern wir uns wirklich gern noch aneinander rieben, zwar seltener als vor dem Kind, aber wenn, dann haben wir die Chance genutzt.

Das zweite Kind. Und wir sind dieses eine Paar, bei dem ich dachte, dass es ihm nie passiert: kein Sex. Ganz selten läuft was, meistens nachts im Dunkeln, nie so wild und laut wie es mal war. Wo ich früher sterben wollte, weil es so toll war, will ich jetzt sterben, weil nichts mehr passiert. Dass ich mal Strapse getragen habe, scheint ein anderes Leben. Unrasierte Beine sind dafür meine neue Realität. Das sind doch nicht wir – die, wenn dann, die immer gleiche Nummer abziehen, die meistens nicht länger als zwei Minuten geht. Doch, das sind wir.

So viele gemeinsame Träume sind schon für uns wahr geworden. Ein gemeinsames Zuhause, glückliche Kinder – mit allen Ecken und Kanten, die dazu gehören, aber doch am Ende des Tages geliebt. Träume sind zum träumen da. Deshalb werde ich ab jetzt von unserer Leidenschaft träumen, die uns einst verbunden hat. Die kann und wird nicht für immer verschwunden sein, dafür stehe ich noch viel zu sehr auf Dich, sie muss ganz bestimmt nur ausgegraben und wiederentdeckt werden.

Und so werde ich uns nach dem ersten Schreck der Corona-Isolation in den nächsten Wochen überraschen. Auch wenn es aktuell eine Herausforderung für alle ist – wir sind jung und gesund, Sex löst Blockaden und setzt Glücksgefühle frei und ich will wieder mehr davon. 

Ich werde die Kids in den nächsten Tagen nach dem Frühstück in ihren Schlafanzügen herumlungern und am Fernseher kleben lassen, Dich hoch ins Schlafzimmer locken und die Tür schließen. Ich könnte dann wie sonst anfangen, darüber zu sprechen, was nur los mit uns ist und warum wir in letzter Zeit so distanziert zueinander sind und Du könntest dann wie sonst müde und leicht genervt antworten, dass wir doch die wunderbaren Dinge schätzen müssen, die wir haben, statt immer aufs Schlechte zu schauen. Stattdessen werde ich mich auf Dich draufsetzen und du wirst mich kurz verdattert und fragend anschauen, weil im letzten Jahr so oft aus einem Sexversuch doch nichts wurde. Doch Du wirst schnell merken, dass es diesmal anders ist. Dass die Isolation mich so ...💃🏻 macht, wie schon lang nicht mehr und Sex wieder Sex ist, mal kurz, mal lang, 🎇, intensiv und alles andere als verkrampft. Corona sei Dank.

Eure Zoe 


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